Vier-Tage-Woche im Recruiting: Was die Studie zeigt und für wen sie sich lohnt

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Kurz beantwortet: Die Vier-Tage-Woche funktioniert in vielen Unternehmen gut. Im Pilotprojekt mit mehr als 40 Unternehmen blieben Umsätze und Gewinne im Durchschnitt stabil, die Zahl der Bewerbungen stieg deutlich, und 39 % der Firmen wollen das Modell dauerhaft behalten. Ein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel ist sie trotzdem nicht: Sie eignet sich nicht für jeden Betrieb und verliert ihren Vorteil, sobald alle Wettbewerber sie anbieten.
Was hat die Studie zur Vier-Tage-Woche untersucht?
Forschende der Universität Münster haben ein halbes Jahr lang mehr als 40 Unternehmen begleitet, die eine reduzierte Stundenzahl an vier Tagen bei voller Lohnfortzahlung getestet haben. Ursprünglich waren deutlich mehr Unternehmen beteiligt. Einige haben abgebrochen, andere konnten das Modell gar nicht wie geplant umsetzen.
Für die Einordnung ist eine Einschränkung wichtig: Die Teilnehmer haben sich freiwillig gemeldet. Es handelt sich also um Arbeitgeber, die der Idee ohnehin offen gegenüberstanden und das Modell vermutlich auch ohne Studie hätten einführen können. Repräsentativ für den gesamten Arbeitsmarkt sind die Ergebnisse damit nicht.
Welche Ergebnisse brachte das Pilotprojekt?
Die teilnehmenden Unternehmen haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Die wichtigsten Befunde:
- Umsätze und Gewinne blieben im Durchschnitt stabil, obwohl die Arbeitszeit gekürzt wurde.
- Die Vier-Tage-Woche war Anlass, Prozesse zu überdenken: kürzere Meetings und mehr digitale Hilfsmittel.
- Das Stresslevel der Beschäftigten ist insgesamt gesunken. Gemessen wurde das unter anderem mit Fitnessuhren.
- Die Zahl der Bewerbungen ist bei vielen Teilnehmern deutlich gestiegen.
Zur Frage, wie es nach der Testphase weitergeht, ergibt sich folgendes Bild:
- 39 % der Unternehmen wollen die Vier-Tage-Woche dauerhaft behalten. Das klingt nach viel, entspricht aber nur rund 16 Unternehmen.
- 34 % verlängern die Testphase.
- 20 % kehren zur Fünf-Tage-Woche zurück, unter anderem weil der Stress an den verbleibenden vier Tagen zu hoch war.
Damit ist eine verbreitete Sorge vieler Arbeitgeber zumindest für diese Gruppe widerlegt: dass bei einem Tag weniger am Ende nichts mehr übrig bleibt und rentables Arbeiten unmöglich wird.
Bringt die Vier-Tage-Woche mehr Bewerbungen?
Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Die Erfahrung aus vielen Kundenprojekten deckt sich mit der Studie: Ein attraktives Arbeitszeitmodell ist nie das alleinige Wechselmotiv. Wer eine Vier-Tage-Woche einführt, bekommt dadurch nicht automatisch unbegrenzt viele Bewerbungen.
Die Vier-Tage-Woche ist aber ein polarisierender Grund, sich überhaupt mit einem Arbeitgeber zu beschäftigen. Eine Fachkraft wird aufmerksam, schaut sich das Unternehmen genauer an, findet eine passende Position und bewirbt sich. Genau in dieser ersten Aufmerksamkeit liegt der Hebel.
Die Vier-Tage-Woche ist kein Wechselgrund für sich allein. Sie sorgt aber dafür, dass sich jemand überhaupt mit Ihrem Unternehmen beschäftigt.
Die Studienleitung weist zudem darauf hin, dass dieser Vorteil verloren ginge, wenn jedes Unternehmen die Vier-Tage-Woche anbieten würde. Ein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel kann sie also nicht sein.
Für welche Unternehmen eignet sich die Vier-Tage-Woche?
Eine pauschale Empfehlung für oder gegen das Modell gibt es nicht. In manchen Betrieben passt es sehr gut, in anderen ist es kaum umsetzbar, etwa dort, wo am Wochenende gearbeitet wird oder Kunden an fünf Tagen erreichbar sein müssen.
Besonders gut funktioniert die Vier-Tage-Woche in der Praxis bei Positionen mit Service- oder Montagetätigkeit. Monteure arbeiten ohnehin oft mehr Stunden pro Tag als im normalen Büroalltag. Ist der Freitag frei oder für die Rückreise reserviert, kommt das im Recruiting sehr gut an. Es zieht sogar Fachkräfte an, die bisher vor Ort an fünf Tagen tätig sind und dann erstmals über Reisebereitschaft nachdenken, weil sie ihren persönlichen Vorteil erkennen.
Auch in Produktions- und Industrieunternehmen ist ein freier oder verkürzter Freitag bei Bewerbern beliebt. Häufig passt er gut zur familiären Situation: Schule, Kindergarten, mehr gemeinsame Zeit oder ein Partner, der in Teilzeit oder bei einem anderen Arbeitgeber arbeitet.
Warum die Arbeitstage oft länger werden – und das kein Nachteil sein muss
Eine zentrale Erkenntnis aus der Studie: In einem der teilnehmenden Industrieunternehmen wurde die Arbeitszeit von 40 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich gesenkt. Weil nur noch an vier Tagen gearbeitet wird, sind die Tage von Montag bis Donnerstag trotzdem länger und anstrengender geworden. Die Freude über den freien Freitag überwiegt dort aber.
Das kann sogar ein Vorteil sein. Ein Freitag mit Arbeitszeit von 8 bis 12 Uhr bringt oft weniger als ein Donnerstag, an dem das Team die Arbeit noch abschließen will, bevor es ins Wochenende geht. Für Arbeitgeber ergeben sich daraus mehrere Gestaltungsmöglichkeiten:
- einen verkürzten Freitag anbieten,
- jeden zweiten Freitag freigeben,
- die Stunden des Freitags auf die übrigen Tage umverteilen.
Besonders interessant ist das für Arbeitgeber, deren Stellen einen Nachteil gegenüber dem Wettbewerb haben, etwa eine niedrigere Bezahlung, Reisetätigkeit oder Schichtarbeit. Sie können prüfen, ob sie diesen Nachteil mit einem attraktiven Arbeitszeitmodell ausgleichen.
Flexible Arbeitszeitmodelle als Alternative
Viele Unternehmen müssen ihre Arbeitszeiten individuell an Kundenbedürfnisse anpassen. Ein Beispiel aus der Studie ist ein Architekturbüro, das unter anderem Messestände plant. Erfordert ein Projekt es, arbeiten die Mitarbeitenden auch freitags und nehmen dafür einen anderen Tag frei.
Gerade im Projektgeschäft ist diese Flexibilität wertvoll, denn dort gibt es Phasen mit mehr und Phasen mit weniger Arbeit. Ein mögliches Vorgehen:
- In arbeitsintensiven Phasen wird von allen ein höherer Einsatz erwartet.
- Im Gegenzug gibt es in ruhigeren oder saisonal schwächeren Phasen einen Freizeitausgleich.
- Diese Regel wird im Stellenangebot klar kommuniziert.
Wenn viel los ist, packen alle gemeinsam an. Wenn weniger los ist, profitieren auch alle davon, dass sie vorher Gas gegeben haben.
So wird eine Position attraktiver, und die Mitarbeitenden ziehen besser mit.
Häufige Fragen
Bleiben Umsatz und Gewinn bei einer Vier-Tage-Woche stabil?
In der Studie der Universität Münster blieben Umsätze und Gewinne im Durchschnitt stabil. Allerdings nahmen nur freiwillig gemeldete, dem Modell gegenüber offene Unternehmen teil.
Wie viele Unternehmen behalten die Vier-Tage-Woche nach dem Test?
39 % wollen sie dauerhaft behalten, 34 % verlängern die Testphase und 20 % kehren zur Fünf-Tage-Woche zurück.
Löst die Vier-Tage-Woche den Fachkräftemangel?
Nein. Sie kann die Zahl der Bewerbungen deutlich erhöhen, ist aber nie das alleinige Wechselmotiv. Würden alle Unternehmen sie anbieten, ginge der Vorteil verloren.
Muss die Wochenarbeitszeit für eine Vier-Tage-Woche sinken?
Nicht zwingend. Viele Unternehmen verteilen die Stunden auf die übrigen Tage um. Auch ein verkürzter oder jeder zweite freie Freitag kommt bei Fachkräften gut an.
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