Mehr Reichweite, mehr Bewerber? Warum das im Recruiting ein Irrtum ist

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Kurz beantwortet: Nein, mehr Reichweite bedeutet im Recruiting nicht automatisch mehr passende Bewerber. Erreicht eine Kampagne 70.000 Menschen, um einen Elektriker zu gewinnen, sind darunter nur sehr wenige Elektriker. Der Algorithmus optimiert dann auf die falsche Zielgruppe. Setzen Sie Ihre Reichweite deshalb ins Verhältnis zur Zahl der Fachkräfte in Ihrer Region: Als Faustregel gilt das 5- bis 10-Fache des regionalen Fachkräftepotenzials als sinnvolle Obergrenze.
Warum ist hohe Reichweite im Recruiting kein Erfolgsnachweis?
Viele Unternehmen, aber auch Agenturen und Berater, berichten stolz über große Reichweitenzahlen. Typisch ist eine Aussage wie: Mit unseren Inhalten haben wir 70.000 Menschen erreicht, um einen Elektriker zu gewinnen. Die Zahl klingt nach Wirkung. Über den eigentlichen Zweck der Maßnahme sagt sie aber wenig aus.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viele Menschen eine Anzeige oder einen Beitrag gesehen haben. Entscheidend ist, wie viele davon zur gesuchten Zielgruppe gehören. Gemeint sind also Fachkräfte mit der passenden Qualifikation in der passenden Region. Gemessen an dieser Zielgruppe entpuppt sich eine hohe Reichweite häufig als hoher Streuverlust.
Wer eine Elektrikerstelle besetzen will und dafür 70.000 Menschen erreicht, hat vor allem eines erzeugt: Streuverlust.
Was der eigene YouTube-Kanal über Zielgruppen verrät
Wie das Prinzip funktioniert, lässt sich am YouTube-Kanal von KRÜGER Consulting zeigen. Viele Videos dort erzielen nur einige hundert Aufrufe, manche sogar weniger. Das ist gewollt, denn die Inhalte richten sich fast ausschließlich an eine B2B-Zielgruppe, also an Entscheider in Unternehmen.
Gelegentlich erreicht ein Video plötzlich einige tausend Aufrufe. Dann hat meist ein Thema aus Versehen ein breiteres Publikum angesprochen, zum Beispiel Bewerber statt Arbeitgeber, oder das Video wurde einer thematischen Nische zugeordnet, die mit dem eigentlichen Inhalt wenig zu tun hat. Diese zusätzliche Reichweite ist nicht erwünscht. Bei 5.000 Aufrufen ist klar: Das sind nicht alles B2B-Entscheider und schon gar nicht die Entscheider, mit denen das Unternehmen tatsächlich im Gespräch ist.
Im Personalrecruiting gilt dasselbe. Eine kleinere, aber passgenaue Reichweite ist wertvoller als eine große Zahl, hinter der überwiegend Menschen stehen, die für die Stelle nicht infrage kommen.
Wie der Algorithmus Ihre Kampagne in die falsche Richtung lenkt
Streuverlust ist nicht nur verschwendetes Budget. Er wirkt sich auch auf die Aussteuerung Ihrer Kampagne aus. Die Algorithmen sozialer Netzwerke arbeiten grundsätzlich nach diesem Muster:
- Ein Mensch klickt auf eine Anzeige, einen Beitrag oder schaut sich ein Video an.
- Der Algorithmus registriert, welche Art von Mensch reagiert hat.
- Er spielt den Inhalt anschließend verstärkt an Menschen aus, die diesem Nutzer ähneln.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Folgen: Eine Kampagne erreicht 70.000 Menschen. Davon sind 69.700 keine Elektriker, nur 300 sind tatsächlich Elektriker. Der Anteil der eigentlichen Zielgruppe liegt damit bei weniger als einem halben Prozent. Klicken und schauen vor allem die Nicht-Elektriker, lernt der Algorithmus aus genau dieser Mehrheit. Er spielt die Kampagne künftig noch stärker an Menschen aus, die mit der ausgeschriebenen Stelle nichts zu tun haben.
Der Algorithmus orientiert sich an der Mehrheit, die reagiert. Und das ist bei zu großer Reichweite fast nie die Fachkraft, die Sie suchen.
Das Ergebnis: Die Maßnahme sorgt nicht dafür, dass möglichst viele Elektriker in der Region, die soziale Medien nutzen, die Anzeige sehen und sich überzeugen lassen. Die Ausspielung wird eher wahllos, statt gezielt auf die relevante Gruppe zu optimieren.
Wie Sie die richtige Reichweite für Ihre Stellenanzeige berechnen
Messen Sie Ihre Recruiting-Maßnahmen nicht allein an der Reichweite. Prüfen Sie stattdessen, ob die Zahlen zum Arbeitsmarkt in Ihrer Region passen. Eine einfache Faustregel hilft dabei:
- Schritt 1: Schätzen Sie ab, wie viele qualifizierte Fachkräfte des gesuchten Berufs es in Ihrer Region gibt.
- Schritt 2: Rechnen Sie einen Faktor von 5 bis 10 darauf. Das ist ein realistischer Puffer für Streuung, die sich nie vollständig vermeiden lässt.
- Schritt 3: Vergleichen Sie diesen Wert mit der tatsächlichen Reichweite Ihrer Kampagne.
Ein Beispiel: Gibt es in Ihrer Region etwa 400 gute Elektriker, sollte die Reichweite Ihrer Inhalte höchstens bei etwa 4.000 bis 5.000 Menschen liegen. Liegt sie deutlich darüber, etwa bei 70.000, ist das kein Zeichen für Erfolg. Es ist ein Warnsignal: Die Kampagne erreicht überwiegend die falschen Menschen, und der Algorithmus optimiert vermutlich nicht auf Ihre Zielgruppe.
Diese Rechnung ersetzt keine genaue Arbeitsmarktanalyse. Sie liefert aber einen schnellen Plausibilitätscheck, mit dem Sie Reichweitenberichte, auch die Ihrer Dienstleister, kritisch einordnen können.
Häufige Fragen
Ist eine niedrige Reichweite im Recruiting schlecht?
Nicht unbedingt. Eine niedrige Reichweite kann ein Zeichen für präzise Zielgruppenansprache sein. Entscheidend ist, dass die erreichten Menschen überwiegend zur gesuchten Fachkräftegruppe in Ihrer Region gehören.
Warum schadet zu viel Reichweite meiner Kampagne?
Weil Algorithmen sozialer Netzwerke Inhalte an Menschen ausspielen, die denen ähneln, die bereits reagiert haben. Reagieren vor allem Nicht-Fachkräfte, lernt der Algorithmus das falsche Muster und verstärkt den Streuverlust.
Wie hoch sollte die Reichweite einer Recruiting-Kampagne sein?
Als Faustregel gilt das 5- bis 10-Fache der Zahl passender Fachkräfte in Ihrer Region. Bei rund 400 guten Elektrikern entspricht das einer Obergrenze von etwa 4.000 bis 5.000 erreichten Menschen.
Woran sollte ich Recruiting-Maßnahmen stattdessen messen?
Setzen Sie die Reichweite ins Verhältnis zum regionalen Fachkräftepotenzial und prüfen Sie, ob tatsächlich die gesuchte Berufsgruppe erreicht wird. Eine große Reichweitenzahl allein ist kein Beleg dafür, dass die richtigen Kandidaten angesprochen wurden.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
Finden Sie die Fachkräfte, die sich für Ihre freie Stelle begeistern.


