Ist die Gen Z wirklich arbeitsfaul? Was Arbeitgeber daraus lernen können

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Kurz beantwortet: Nein, der Wunsch nach weniger Arbeit ist kein reines Phänomen der Generation Z. In einer Befragung zur Vier-Tage-Woche wünschten sich die 26- bis 40-Jährigen im Schnitt 2 Stunden weniger Arbeit pro Tag, die über 40-Jährigen sogar 3 Stunden weniger pro Tag. Für Arbeitgeber ist deshalb weniger das Alter der Bewerber entscheidend als die Frage, ob die Arbeit im Unternehmen einen erkennbaren übergeordneten Sinn hat.
Wünschen sich wirklich nur junge Menschen weniger Arbeit?
Forderungen nach einer Drei- oder Vier-Tage-Woche sind in den Medien allgegenwärtig. Am 1. Mai demonstrierten Menschen etwa für eine Drei-Tage-Woche nach dem Motto „weniger Arbeit, mehr Leben“. Solche Aussagen werden häufig reflexartig der Generation Z zugeschrieben.
Die Zahlen aus der genannten Befragung zeichnen ein anderes Bild:
- Die 26- bis 40-Jährigen wünschten sich im Schnitt eine Reduzierung um 2 Stunden pro Tag.
- Die über 40-Jährigen wünschten sich im Schnitt eine Reduzierung um 3 Stunden pro Tag.
Der Trend zu weniger Arbeitszeit zieht sich also durch alle Altersgruppen. Bei älteren Beschäftigten ist der Wunsch in dieser Befragung sogar stärker ausgeprägt.
Aus der Praxis zeigt sich bei jungen Menschen eher eine klare Zweiteilung: Entweder es fehlt die Bereitschaft, sich einzubringen, oder es gibt ein deutliches Bewusstsein dafür, dass eine Karriere und persönliche Entwicklung mit Einsatz verbunden sind, jetzt und in Zukunft. Pauschal von einer arbeitsfaulen Generation zu sprechen, wird dieser Realität nicht gerecht.
Der Wunsch nach weniger Arbeit ist keine Frage der Generation. Die Frage ist, wofür Menschen bereit sind, sich einzusetzen.
Was bedeutet die Vier-Tage-Woche für den Mittelstand?
Viele mittelständische Unternehmen können Forderungen wie einer Drei- oder Vier-Tage-Woche schlicht nicht nachkommen. Auch die Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche, an der Unternehmen freiwillig teilgenommen haben, sollte man mit Vorsicht betrachten. Berichten zufolge haben es einige der teilnehmenden Unternehmen nicht geschafft, die Vier-Tage-Woche durchgehend einzuhalten. Belegschaften mussten teilweise doch mehr Arbeitszeit investieren.
Wie aussagekräftig die Ergebnisse am Ende sind, bleibt daher offen. Statt auf Studienergebnisse zu warten oder sich an der Debatte abzuarbeiten, ist eine andere Frage produktiver: Was kann ein Unternehmen aus diesem gesellschaftlichen Trend für sich ableiten?
Warum Sinn im Job heute so entscheidend ist
Um den Trend zu verstehen, lohnt ein Blick auf seinen Ursprung. Die Menschen in Deutschland sind seit Jahrzehnten in Sicherheit aufgewachsen. Ganze Generationen haben zum Glück keinen Bezugspunkt zu Krieg oder Hungersnot. Ihre Grundbedürfnisse im Sinne der Maslowschen Bedürfnispyramide sind erfüllt.
Sind die Grundbedürfnisse gedeckt, strebt der Mensch nach der obersten Stufe: der Selbstverwirklichung. Genau hier liegt der Ansatzpunkt für Arbeitgeber. Wer seinen Mitarbeitern und Bewerbern vermittelt, wofür ihre Arbeit gut ist, spricht dieses Bedürfnis direkt an.
Egal wie langweilig Ihr Job oder Ihre Branche auf den ersten Blick wirkt: Jedes Projekt hat einen übergeordneten Sinn.
Wie machen Sie Sinn auch in einer „langweiligen“ Branche sichtbar?
Viele Unternehmen sagen über sich selbst, ihre Branche oder ihre Jobs seien langweilig. In der Praxis zeigt sich jedoch regelmäßig: Bei genauerem Hinsehen gibt es bemerkenswerte Punkte, die im Tagesgeschäft schlicht verloren gehen. Eine klare Unternehmensvision sorgt dafür, dass das Team weiß, wonach es gemeinsam strebt.
Der Sinn kann auf verschiedenen Ebenen liegen:
- Persönliche Entwicklung: Welche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bietet die Position?
- Übergeordnete Mission: Wofür steht das Unternehmen, und was will es erreichen?
- Nutzen für Kunden: Welchen Beitrag leistet die Arbeit für die eigenen Kunden oder, etwa bei Zulieferern, sogar für die Kunden der Kunden?
Erst wenn diese Botschaft intern definiert ist und Ihr Team spürbar anspornt, sollte sie in das Personalmarketing übertragen werden. Denn Menschen auf dem Arbeitsmarkt beschäftigen sich teilweise lange mit einem potenziellen Arbeitgeber: manche zwei Monate, andere mehrere Jahre. In dieser Zeit sollen sie verstehen, worum es in Ihrem Unternehmen geht und wofür man dort jeden Morgen zur Arbeit kommt.
Der Effekt: Sie ziehen nicht nur mehr Menschen an, sondern vor allem die richtigen. Also Bewerber, die genau Ihre Vision verwirklichen möchten und nicht die eines anderen Unternehmens.
Die Prüfkette: Wo liegen die blinden Flecken in Ihrem Unternehmen?
Ob Ihr Unternehmen bereits einen erkennbaren Sinn vermittelt, lässt sich mit einer einfachen Kette von Fragen prüfen:
- Gibt es eine Unternehmensvision und Unternehmenswerte?
- Stehen diese nur auf dem Papier oder werden sie regelmäßig kommuniziert?
- Werden sie nur kommuniziert oder auch tatsächlich gelebt?
- Werden sie so nach außen getragen, dass sie Menschen anziehen?
Geht diese Kette an einer Stelle nicht auf, ist das ein klarer Hinweis auf einen blinden Fleck. Ein Unternehmen, das seine Vision formuliert, sie lebt und glaubwürdig nach außen trägt, hat beste Voraussetzungen, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.
Häufige Fragen
Ist die Generation Z weniger leistungsbereit als ältere Generationen?
Eine pauschale Aussage lässt sich nicht treffen. In einer Befragung zur Vier-Tage-Woche wünschten sich die über 40-Jährigen mit 3 Stunden pro Tag sogar eine stärkere Arbeitszeitreduzierung als die 26- bis 40-Jährigen mit 2 Stunden pro Tag.
Muss ein Mittelständler die Vier-Tage-Woche einführen, um attraktiv zu sein?
Nicht zwingend. Viele Mittelständler können diese Forderung gar nicht erfüllen. Entscheidender ist, dass Bewerber den Sinn ihrer Arbeit und ihre Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen erkennen.
Was hat die Maslowsche Bedürfnispyramide mit Recruiting zu tun?
Sind die Grundbedürfnisse erfüllt, streben Menschen nach Selbstverwirklichung. Arbeitgeber, die einen übergeordneten Sinn vermitteln, sprechen genau diese oberste Stufe an.
Wie finde ich den übergeordneten Sinn meines Unternehmens?
Hilfreich ist ein interner Workshop, in dem Punkte herausgearbeitet werden, die im Tagesgeschäft untergehen. Fragen Sie etwa, welchen Nutzen Ihre Arbeit für Kunden oder deren Kunden stiftet und welche Entwicklung Mitarbeiter bei Ihnen erwartet.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
Finden Sie die Fachkräfte, die sich für Ihre freie Stelle begeistern.


