Ist der Fachkräftemangel vorbei? Warum Unternehmen jetzt nicht abwarten sollten

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Kurz beantwortet: Nein, der Fachkräftemangel ist nicht vorbei. Er ist lediglich leiser geworden, weil viele Unternehmen weniger Stellen ausschreiben. Laut Fachkräftereport können weiterhin 36 Prozent der Unternehmen ihre offenen Stellen nicht besetzen, weil passende Bewerber fehlen. Wer jetzt sichtbar bleibt und aktiv rekrutiert, sichert sich einen Vorsprung, bevor der Wettbewerb um Fachkräfte wieder voll einsetzt.
Warum wirkt der Fachkräftemangel gerade entspannter?
In den vergangenen zwei Jahren war es für viele Unternehmen tatsächlich etwas leichter, Personal zu gewinnen. Davor, insbesondere in den Jahren 2022 und 2023, war der Arbeitsmarkt extrem überhitzt. Die anschließende Beruhigung haben viele Arbeitgeber als Entspannung wahrgenommen.
Dieser Eindruck täuscht jedoch. Anhand der Anfragen, die bei uns eingehen, zeigt sich, dass es Unternehmen wieder zunehmend schwerer fällt, Stellen zu besetzen. Und zwar nicht mehr nur in einzelnen Branchen, sondern branchenübergreifend. Der Markt wird Monat für Monat wieder umkämpfter.
Was die Zahlen tatsächlich aussagen
Laut Fachkräftereport können 36 Prozent der Unternehmen ihre offenen Stellen nicht besetzen, weil die passenden Leute fehlen. Zwar ist dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Grund dafür ist aber nicht, dass plötzlich deutlich mehr Stellen erfolgreich besetzt wurden.
Vielmehr haben einige Unternehmen schlicht weniger Stellen ausgeschrieben. Setzt man die Quote ins Verhältnis zur Zahl der ausgeschriebenen Stellen, ergibt sich ein anderes Bild:
- Es gibt weniger offene Stellen auf dem Markt.
- Der Mangel an Fachkräften besteht unverändert fort.
- Bei genauer Betrachtung ist er sogar ein Stück weit gestiegen.
Der Fachkräftemangel ist nicht weg. Er ist nur leiser geworden. Wer jetzt wartet, wird den Nachteil später spüren.
Warum Abwarten zum Risiko wird
Viele Unternehmen zögern derzeit und verhalten sich so, als hätten sie genug Zeit. Sie gehen davon aus, dass der Markt ihnen in die Karten spielt. Die Folge ist eine Kette von Effekten:
- Es werden weniger Stellen ausgeschrieben.
- Es kommen weniger neue Talente ins Unternehmen.
- Die bestehenden Teams arbeiten unter hohem Druck.
- Hält die Überlastung über Monate an, wechseln einzelne Mitarbeiter zu einem anderen Arbeitgeber.
- Steigen die Aufträge wieder, setzt der Wettbewerb um gute Leute sofort wieder in der Intensität ein, die viele aus den Jahren 2022 und 2023 kennen.
Jede Stelle, die heute nicht besetzt wird, und jede aufgeschobene Recruitingmaßnahme führt zu weniger Kandidaten und längeren Vakanzzeiten. Das verursacht höhere Kosten, und zwar doppelt: einerseits durch die unbesetzten Stellen selbst, andererseits durch steigende Recruitingkosten und möglicherweise schlechtere Einstellungen, sobald sich der Markt wieder verschärft hat.
Welchen Vorteil Unternehmen jetzt nutzen können
Unternehmen, die bereits digitale Sichtbarkeit aufgebaut haben und in ihrer Region als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden, haben derzeit einen Marktvorteil. Der Grund: Noch rekrutiert nicht jedes Unternehmen in der Region und in der Branche wieder aktiv.
Ganz anders sieht es für Unternehmen aus, die erst dann aktiv werden, wenn eine Stelle akut besetzt werden muss. Sie stehen vor deutlich größeren Herausforderungen als in den vergangenen zwei Jahren. Wer sich zudem darauf verlässt, dass ein glücklicher Zufall, etwa die Schließung eines Wettbewerbers, einen Topkandidaten ins Haus gespült hat, baut auf eine Ausnahme statt auf eine Strategie.
Wer jetzt denkt, er habe Zeit, wird in den nächsten Monaten im Wettbewerb um Talente den Boden unter den Füßen verlieren.
So gehen Sie jetzt proaktiv vor
Statt auf den nächsten akuten Bedarf zu warten, empfiehlt es sich, das Recruiting vorausschauend aufzustellen. Konkret bedeutet das:
- Sichtbarkeit aufbauen: Sorgen Sie dafür, dass potenziell geeignete Bewerber Sie als Arbeitgeber wahrnehmen, bevor Sie sie konkret brauchen.
- Bewerbungen frühzeitig generieren: Schreiben Sie auch Stellen aus, die erst in etwa sechs Monaten relevant werden.
- Kandidaten aufwärmen: Führen Sie schon jetzt gute Gespräche mit interessanten Menschen und bauen Sie Kontakte auf.
- Früher besetzen: Nutzen Sie diese Gespräche, um Stellen möglicherweise schon ein bis zwei Monate vor der eigentlichen Ausschreibung zu besetzen.
- Menschen in fester Anstellung ansprechen: Setzen Sie auf aktives Recruiting, das auch Fachkräfte erreicht, die nicht aktiv auf Jobsuche sind.
- Arbeitgebermarke prüfen: Überprüfen Sie, ob Ihre Arbeitgebermarke im Wettbewerb überzeugt.
Der Zeitpunkt ist entscheidend: Was heute am Markt noch vergleichsweise leicht gelingt, wird in sechs oder zwölf Monaten voraussichtlich deutlich schwieriger sein.
Häufige Fragen
Ist der Fachkräftemangel vorbei?
Nein. Er ist leiser geworden, weil weniger Stellen ausgeschrieben werden. Laut Fachkräftereport können weiterhin 36 Prozent der Unternehmen offene Stellen mangels passender Bewerber nicht besetzen.
Warum ist die Quote unbesetzter Stellen gesunken?
Nicht, weil mehr Stellen besetzt wurden, sondern weil einige Unternehmen weniger ausgeschrieben haben. Im Verhältnis zu den ausgeschriebenen Stellen ist der Mangel sogar leicht gestiegen.
Was kostet es, mit dem Recruiting zu warten?
Aufgeschobenes Recruiting führt zu weniger Kandidaten und längeren Vakanzzeiten. Hinzu kommen überlastete Teams, mögliche Abgänge sowie höhere Recruitingkosten und schlechtere Einstellungen, sobald der Wettbewerb wieder anzieht.
Wie weit im Voraus sollte ich Stellen ausschreiben?
Es lohnt sich, Bewerbungen schon für Stellen zu generieren, die erst in etwa sechs Monaten besetzt werden sollen. So lassen sich Positionen teils ein bis zwei Monate vor der eigentlichen Ausschreibung besetzen.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
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