Hohe Fluktuation: Wer ist schuld und wie lösen Sie die wahren Ursachen?

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Kurz beantwortet: Schuld an hoher Fluktuation sind selten die vermeintlich illoyalen Bewerber von heute. Fluktuation ist meist ein Symptom der Abwärtsspirale des Fachkräftemangels: monatelang offene Stellen, Überlastung und Notbesetzungen aus zu wenig Auswahl. Hinzu kommt eine falsche Erwartungshaltung im Einstellprozess, denn neun von zehn Betrieben gelingt es nicht, klar zu kommunizieren, wen sie suchen und was sie als Arbeitgeber ausmacht. Lösen lässt sich das nur über einen nachhaltigen Recruitingprozess, der genug passende Bewerber liefert.
Warum ist Fluktuation für so viele Betriebe ein Problem?
Über 60 Prozent der Geschäftsführer in Deutschland sehen Fluktuation als eine ihrer größten Herausforderungen. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte noch höher liegen, denn nicht jeder spricht offen darüber.
Das Muster ist in vielen technischen und industriellen Betrieben dasselbe: Eine Stelle wird nach langer Suche endlich besetzt, und kaum ist der neue Kollege eingearbeitet, liegt die nächste Kündigung auf dem Tisch. Recruiting fühlt sich an wie ein Fass ohne Boden. Viele Verantwortliche haben den Eindruck, machtlos zuzusehen, wie der eigene Betrieb immer stärker unter Druck gerät.
Naheliegend ist dann die Erklärung, Bewerber hätten heute einfach keine Loyalität mehr und alles sei Glücks- oder Pechsache am Arbeitsmarkt. Diese Sicht greift jedoch zu kurz. Wer die eigentlichen Ursachen versteht, kann Fluktuation nicht nur deutlich reduzieren, sondern ihr schon im Einstellprozess vorbeugen.
Was sind die Hauptgründe für Fluktuation?
In der Praxis zeigen sich vor allem zwei Gründe, die immer wieder zu frühen Kündigungen führen:
- Falsche Erwartungshaltung bei der Einstellung: In neun von zehn Betrieben wird weder in der Stellenanzeige noch im Recruitingprozess klar kommuniziert, wen man wirklich sucht, wen man ausdrücklich nicht sucht und was das Unternehmen als Arbeitgeber ausmacht. Der neue Mitarbeiter stellt nach wenigen Monaten fest, dass die Realität ganz anders aussieht als erwartet, und geht wieder.
- Zu wenig qualifizierte Bewerbungen: Wer nur aus wenigen geeigneten Kandidaten wählen kann, macht bei jeder Einstellung Abstriche. Am Ende werden Menschen eingestellt, die eigentlich nicht passen und die bei größerer Auswahl gar nicht zum Zug gekommen wären.
Beide Gründe haben eines gemeinsam: Die Weichen für die spätere Kündigung werden bereits vor dem ersten Arbeitstag gestellt.
Warum ist Fluktuation ein Symptom und nicht die Ursache?
Fluktuation ist eher die sichtbare Folge eines tieferliegenden Problems, nämlich der Abwärtsspirale des Fachkräftemangels. Ihre eigentlichen Ursachen sind monatelang offene Stellen, Überbelastung und Überforderung der bestehenden Belegschaft.
Die Spirale verläuft typischerweise in diesen Schritten:
- Stellen bleiben lange offen. Die Arbeit verteilt sich auf weniger Schultern, das Team ist dauerhaft überlastet.
- Notbesetzungen werden vorgenommen. Geschäftsführung oder Personalabteilung entscheiden sich für Kandidaten, die unter normalen Umständen nicht eingestellt worden wären, nur um die Überlastung zu lindern.
- Kurzes Aufatmen. Für eine Weile scheint sich die Lage zu entspannen.
- Neue Unzufriedenheit entsteht. Die neuen Mitarbeiter verdienen oft das Gleiche oder sogar mehr als erfahrene Kollegen auf derselben Position, sind aber fachlich weiter entfernt und bringen nicht dieselben Stärken mit. Die bestehende Belegschaft arbeitet jemanden ein, der weniger zuverlässig ist, und verliert an Motivation.
- Der Neue geht wieder. Nach einigen Monaten zeigt sich, dass es nicht passt. Nun erkennen auch die loyalen Mitarbeiter, dass die erhoffte Verstärkung ausbleibt und die Überlastung weitergeht.
Jede Notbesetzung verschafft nur ein kurzes Aufatmen. Geht der neue Mitarbeiter wieder, wird es im Unternehmen schlimmer als vorher, denn dann verlieren auch die loyalen Kollegen die Hoffnung auf Entlastung.
Gefährlich ist an dieser Dynamik vor allem, dass sie sich selbst verstärkt. Jede gescheiterte Einstellung erhöht den Druck, beim nächsten Mal noch schneller und mit noch größeren Abstrichen zu besetzen.
Wie lässt sich Fluktuation nachhaltig lösen und vorbeugen?
Fluktuation lösen Sie nicht mit kurzfristigen Maßnahmen, sondern indem Sie konsequent die richtigen Mitarbeiter einstellen. Dafür braucht es einen nachhaltigen Recruitingprozess, der zwei Dinge leistet:
- Klare Kommunikation: Beschreiben Sie in Ihrem Personalmarketing ehrlich, wen Sie suchen, wen Sie nicht suchen und was Ihren Betrieb als Arbeitgeber ausmacht. So bewerben sich Menschen mit realistischen Erwartungen.
- Ausreichend Auswahl: Erst wenn genügend qualifizierte Bewerbungen eingehen, können Sie sich für den wirklich passenden Kandidaten entscheiden, statt Kompromisse einzugehen.
Damit brechen Sie die Abwärtsspirale auf und schaffen die Grundlage für eine gegenläufige Entwicklung.
Was bedeutet das Flywheel im Recruiting?
Das Gegenstück zur Abwärtsspirale ist ein sogenanntes Flywheel, ein Schwungrad, das sich mit jeder Umdrehung leichter weiterbewegt. Im Recruiting funktioniert es so:
- Sie stellen passende Mitarbeiter ein, die Zufriedenheit in der Belegschaft steigt.
- Die Mitarbeiter sprechen positiv über das Unternehmen, die Stimmung ist gut.
- Sie tragen diese Stimmung nach außen, und Bewerber erkennen auf einen Blick, dass hier ein gutes Arbeitsklima herrscht.
- Sie erhalten bessere Bewerbungen von Menschen, die zur Kultur passen.
- Diese Menschen stärken die Kultur weiter, die wiederum noch überzeugender nach außen getragen werden kann.
Ein funktionierender Recruitingprozess ist wie ein V8-Motor nach dem Kaltstart: Ist er erst einmal warmgelaufen, läuft er rund und bringt die vollen PS des Unternehmens zuverlässig auf die Straße.
Der Anfang ist dabei der schwierigste Teil. Doch sobald das Schwungrad in Bewegung ist, wird Fluktuation vom Dauerproblem zur Ausnahme.
Häufige Fragen
Liegt hohe Fluktuation an mangelnder Loyalität der Bewerber?
In der Regel nicht. Meist sind falsche Erwartungen im Einstellprozess und Einstellungen aus zu wenig Auswahl die Ursache. Beides liegt im Einflussbereich des Unternehmens.
Warum kündigen neue Mitarbeiter oft schon nach wenigen Monaten?
Weil die Realität im Betrieb nicht zu dem passt, was sie sich vorgestellt haben. In neun von zehn Betrieben wird nicht klar kommuniziert, wen man sucht und was den Arbeitgeber ausmacht.
Was ist an einer schnellen Notbesetzung so riskant?
Sie bringt nur kurz Entlastung. Passt der neue Mitarbeiter nicht, sinkt die Motivation der bestehenden Belegschaft, und nach seinem Weggang ist die Überlastung größer als zuvor.
Was ist der wichtigste Hebel gegen Fluktuation?
Ein nachhaltiger Recruitingprozess, der klar kommuniziert und ausreichend qualifizierte Bewerbungen liefert. So stellen Sie die richtigen Mitarbeiter ein und bringen das Flywheel im Recruiting in Gang.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
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