Erfolgreiches Recruiting: Welche 3 Regeln im Fachkräftemangel wirklich zählen

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Kurz beantwortet: Erfolgreiches Recruiting hängt weniger vom neuesten Kanal ab als von drei Grundregeln: Erstens müssen Sie bei den relevanten Fachkräften in Ihrer Region überhaupt sichtbar sein. Zweitens muss Ihre Außendarstellung beantworten, warum sich jemand bei Ihnen bewerben sollte. Drittens sollten Sie Bewerber wie Kunden behandeln und zeitnah persönlich reagieren. Das ist umso wichtiger, weil aktuell rund 470.000 Fachkräfte fehlen und es bis 2027 laut derselben Statistik 728.000 sein könnten.
Wie groß ist der Fachkräftemangel für Unternehmen wirklich?
Nach einer aktuellen Studie fehlen in deutschen Unternehmen derzeit rund 470.000 Fachkräfte. Etwa 47 Prozent der Unternehmen sind davon betroffen. Für viele wird sich die Lage weiter verschärfen: Bis 2027 sollen laut derselben Statistik 728.000 Fachkräfte fehlen – trotz Digitalisierung, KI, Fachkräften aus dem Ausland und der Verlagerung von Produktionsstätten. Der Mangel dürfte sich damit für viele Betriebe annähernd doppelt so stark anfühlen wie heute.
Hinzu kommt der demografische Wandel. In den meisten Unternehmen gehen gerade die Mitarbeitenden mit dem meisten Wissen und der größten Erfahrung in den nächsten 3 bis 10 Jahren in Rente. Gesucht werden deshalb nicht nur Nachwuchskräfte, sondern Fachkräfte mit solider Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung, die das Tagesgeschäft ohne Bruch weiterführen können. Gleichzeitig ist der Krankenstand in vielen Betrieben so hoch wie lange nicht, was den Bedarf an zusätzlichen Kräften weiter erhöht.
Was ist die Abwärtsspirale des Fachkräftemangels?
Fachkräftemangel bedeutet nicht nur fehlende Bewerbungen. Er löst Folgeeffekte aus, die sich gegenseitig verstärken:
- Es gehen zu wenige oder unpassende Bewerbungen ein.
- Die Arbeit verdichtet sich auf die bestehende Belegschaft.
- Bleiben passende Bewerbungen weiter aus, kommt es zu Paniceinstellungen: Man entscheidet sich für den Erstbesten, auch wenn er nicht ins Unternehmen passt.
- Der Standard im Unternehmen sinkt, die Belegschaft hinterfragt ihre Situation, Arbeitsmoral und Loyalität gehen zurück.
- Neue Mitarbeitende verlassen das Unternehmen wieder, der Auftragsdruck steigt weiter.
Damit wird das Recruiting immer schwerfälliger. Bewerber merken eine ungesunde Kultur spätestens beim Termin vor Ort.
Wer innen gesund ist, kann außen gute Fachkräfte gewinnen. Eine ungesunde Kultur bemerken Bewerber spätestens, wenn sie vor Ort sind.
Warum die aktuelle Marktlage eine Chance ist
So angespannt die Lage ist: Derzeit gibt es ein Zeitfenster, das Sie nutzen können. Durch Insolvenzen, Stellenabbau, Kurzarbeit und dadurch, dass viele Marktbegleiter weniger rekrutieren als noch 2021 oder 2022, sind Fachkräfte erreichbar, die sonst fest in ihren Unternehmen gebunden wären. Wer die nächsten zwei bis drei Jahre gezielt nutzt, kann Mitarbeitende gewinnen, die später so nicht mehr am Markt verfügbar sein werden. Dafür braucht es keine Wunderlösung, sondern saubere Grundlagen.
Im Recruiting gibt es keine Wunderlösung. Wer ein paar Grundlagen konsequent berücksichtigt, gewinnt Fachkräfte oft einfacher als gedacht.
Regel 1: Werden Sie für Fachkräfte in Ihrer Region sichtbar
Viele Unternehmen wundern sich, warum sich niemand bewirbt. Häufig liegt es daran, dass sie sich darauf verlassen haben, dass sich früher herumgesprochen hat, wo es gute Arbeitsplätze gibt. Eine Online-Präsenz, über die ein Techniker oder IT-Fachmann regelmäßig auf das Unternehmen stößt, fehlt dagegen. Investieren Sie deshalb zuerst in Reichweite: Relevante Fachkräfte in Ihrer Region sollten an Ihnen nicht mehr vorbeikommen. Auffällig ist, dass viele Betriebe etwa in Messestände viel Geld stecken, in das Recruiting aber kaum. Ohne Reichweite lohnt es sich nicht, über die nächsten Schritte nachzudenken.
Regel 2: Beantworten Sie, warum sich jemand bei Ihnen bewerben sollte
Viele Stellenanzeigen sprechen nur über das Unternehmen und listen Mindestanforderungen auf. Was die Bewerberin oder der Bewerber dafür bekommt, bleibt offen. Wer höchste Anforderungen stellt, aber keine Gründe für einen Wechsel nennt, darf sich über ausbleibende Bewerbungen nicht wundern. Prüfen Sie Ihre Stellenanzeigen und Ihre gesamte Außendarstellung anhand dieser Fragen – und zwar in genau dieser Reihenfolge:
- Mit wem arbeite ich zusammen? Ein gutes, kollegiales Team ist einer der Hauptgründe, warum Arbeitskräfte nicht wechseln. Nehmen Sie Bewerbern die größte Sorge, indem Sie das Team zeigen.
- Wie sieht mein Arbeitsplatz aus? Wir verbringen 8 bis 9 Stunden am Tag am Arbeitsplatz, also rund ein Drittel unserer Lebenszeit. Zeigen Sie Gestaltung, Homeoffice-Möglichkeiten, Maschinenpark und eingesetzte Technologie.
- An welchen Projekten arbeite ich und warum? Wer wechselt, will einschätzen können, ob er den Aufgaben gewachsen ist. Das nimmt die Sorge, nicht ins Unternehmen zu passen.
- Warum sollte ich gerade hier arbeiten? Hier kommen Benefits, Werte und Vision ins Spiel.
Viele Unternehmen stellen diese Fragen genau andersherum und beginnen mit Benefits. Vertrauen entsteht aber über die ersten Fragen. Benefits und Vision sind die ergänzende Information, die am Ende den Ausschlag für die Bewerbung gibt.
Regel 3: Behandeln Sie Bewerber wie Kunden
In vielen Personalabteilungen herrscht noch eine Sachbearbeiter-Perspektive: Eine Bewerbung geht ein, erhält eine Eingangsbestätigung, wird intern Stück für Stück weitergereicht, und der Bewerber hört nach Tagen oder Wochen vielleicht etwas – vielleicht auch nicht. Eine Kundenanfrage würde dagegen in den meisten Unternehmen schnell beantwortet. Genau diesen Maßstab sollten Sie auch an Bewerbungen anlegen:
- Rufen Sie Bewerber zeitnah persönlich an.
- Holen Sie sie aktiv ab, statt nur Formalitäten abzuarbeiten.
- Setzen Sie im Recruiting Menschen ein, die gern mit Bewerbern im Gespräch sind.
Wenn die Grundlagen stimmen, kann es schnell gehen: Bei Unternehmen, die nach diesem Prinzip arbeiten, war teils schon 14 Tage nach dem Start Verstärkung im Team. Langfristig sind 10 oder mehr Bewerbungen pro Position und Monat und 5 bis 8 Vorstellungsgespräche vor einer Entscheidung ein realistisches Ziel.
Häufige Fragen
Brauche ich neue Recruiting-Kanäle, um Fachkräfte zu gewinnen?
Nicht unbedingt. Entscheidend sind Sichtbarkeit bei den relevanten Fachkräften, eine überzeugende Antwort auf die Frage, warum sich jemand bewerben sollte, und eine schnelle, persönliche Reaktion auf Bewerbungen.
Was sollte eine Stellenanzeige zuerst beantworten?
Zuerst, mit wem man zusammenarbeitet, dann wie der Arbeitsplatz aussieht, danach an welchen Projekten man arbeitet. Benefits, Werte und Vision folgen erst am Ende.
Warum sind Paniceinstellungen gefährlich?
Sie senken den Standard im Unternehmen, belasten Arbeitsmoral und Loyalität der Belegschaft und führen oft dazu, dass neue Mitarbeitende wieder gehen. So verstärkt sich die Abwärtsspirale.
Wie schnell sollte ich auf eine Bewerbung reagieren?
So schnell wie auf eine Kundenanfrage. Ein zeitnaher persönlicher Anruf ist besser als eine automatische Eingangsbestätigung und wochenlange Funkstille.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
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