Ist der Arbeitsmarkt leer? Warum Sie nur 1 bis 5 % der Fachkräfte sehen

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Kurz beantwortet: Der Arbeitsmarkt ist nicht leer. Unternehmen sehen nur die 1 bis 5 % der Menschen, die gerade aktiv suchen, und genau um diese kleine Gruppe konkurrieren alle. Die übrigen 95 bis 99 % sind passiv, aber nicht unerreichbar. Recruiting wird planbar, wenn Sie diese Fachkräfte früh ansprechen, Vertrauen aufbauen und dauerhaft sichtbar bleiben.
Wie viele Menschen suchen eigentlich aktiv nach einem Job?
Im Recruiting fallen immer wieder dieselben Sätze: Es gibt keine Leute mehr, der Markt ist leergefegt, niemand will mehr arbeiten. Der Blick auf die Struktur des Arbeitnehmermarkts zeigt jedoch ein anderes Bild.
Nur ein kleiner Teil der Beschäftigten ist zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv wechselbereit. Diese Gruppe umfasst etwa 1 bis 5 %. Sie bewirbt sich, ist innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder vergeben und damit vom Markt verschwunden. Danach folgt die nächste kleine Welle von Wechselwilligen.
Der Markt wirkt deshalb leer, weil nahezu jedes Unternehmen dieselben wenigen Prozent jagt. Die große Mehrheit der Fachkräfte taucht in Stellenbörsen und Bewerbungseingängen gar nicht auf.
Recruiting scheitert nicht, weil der Markt leer ist. Es scheitert, weil Unternehmen nur die 1 bis 5 % ansprechen, die gerade aktiv suchen.
Warum gibt es offene Stellen, Arbeitslose und Fachkräftemangel gleichzeitig?
Drei Zahlen erzeugen auf den ersten Blick einen Widerspruch:
- In Deutschland gibt es über 1 Million offene Stellen.
- Gleichzeitig sind rund 2,8 Millionen Menschen arbeitslos, das entspricht einer Quote von 6,3 %.
- Trotzdem berichtet etwa ein Drittel aller Unternehmen von massiven Fachkräfteengpässen.
Die Erklärung liegt nicht im Mangel an Menschen, sondern im Mismatch. Besonders technische Berufe haben eine deutlich niedrigere Arbeitslosenquote als der Durchschnitt. Dort gibt es mehr offene Stellen als passende Arbeitsuchende, und die Bundesagentur für Arbeit stuft viele technische Berufe als Engpassberufe ein. Es fehlen qualifizierte Fachkräfte, nicht Menschen im Allgemeinen.
Hinzu kommt: Menschen wechseln nicht, weil sie arbeitslos sind, sondern weil sie einen klaren Vorteil erkennen. Gute Fachkräfte werden selten arbeitslos. Sie wechseln proaktiv dorthin, wo sie bessere Bedingungen sehen. Wer erst auf Bewerbungen von Arbeitsuchenden wartet, erreicht diese Zielgruppe kaum.
Wie entsteht Wechselbereitschaft bei passiven Fachkräften?
Die 95 bis 99 % der passiven Beschäftigten sind keine homogene Gruppe. Viele sind zufrieden, aber nicht begeistert, oder leicht genervt, aber noch nicht wechselbereit. In 6 bis 12 Monaten kann sich das ändern.
- 38 % der Arbeitnehmer fühlen sich regelmäßig überlastet.
- Knapp 40 % werden im Laufe der Monate unzufriedener.
- Jeder dritte Beschäftigte denkt regelmäßig über einen Wechsel nach.
Diese Menschen suchen nicht aktiv. Sie bauen ihren Wechselgedanken über Monate auf, oft im Sinne einer inneren Kündigung. Unzufriedenheit wächst schrittweise, persönliche Veränderungen wirken zeitverzögert, Konflikte führen erst später zur Wechselbereitschaft. Manche Fachkräfte bleiben so monatelang, teils jahrelang in dieser passiven Phase.
Genau in dieser Zeit entscheidet sich, welche Arbeitgeber sie im Kopf haben und wem sie später vertrauen. Wer erst sichtbar wird, wenn jemand aktiv sucht, kommt zu spät.
Sichtbarkeit erzeugt Vertrauen, und Vertrauen erzeugt den Wechsel.
Bringen Massenentlassungen gute Bewerber auf den Markt?
Viele Unternehmen hoffen, dass Entlassungswellen in anderen Betrieben qualifizierte Bewerber freisetzen. Das ist kein planbarer Vorteil. Massenentlassungen erfolgen wegen struktureller Veränderungen, nicht wegen Leistung. Es werden Rollen abgebaut, nicht schlechte Mitarbeiter.
Gute Fachkräfte wechseln jedoch häufig schon vorher, sobald sie erste Anzeichen von Unsicherheit spüren. Nach Erkenntnissen der Bertelsmann Stiftung wechseln Fachkräfte bewusst dorthin, wo Arbeitskultur und Perspektiven stimmen, und nicht erst, wenn sie freigesetzt werden. Entlassungswellen schaffen also Bewegung am Markt, aber keine verlässliche Chance auf besonders gute Bewerber.
Was macht Recruiting planbar?
Recruiting hängt weniger von den aktiv Suchenden ab als davon, wie klar und sichtbar Sie sich als Arbeitgeber positionieren. Typische Schwachstellen sind:
- Das Unternehmen wirkt austauschbar.
- Der Fokus liegt ausschließlich auf den 1 bis 5 % aktiv Suchenden.
- Die Sichtbarkeit beginnt zu spät.
- Es fehlt ein klarer Vorteil gegenüber Bewerbern und gegenüber der Konkurrenz, die kaum analysiert wird.
Das Problem liegt damit selten im Markt, sondern in Positionierung, Timing und Sichtbarkeit. Planbar wird Recruiting durch folgende Schritte:
- Einen klaren, für Bewerber relevanten Vorteil herausarbeiten.
- Ehrlich und differenziert kommunizieren, sodass auch die 95 bis 99 % der Fachkräfte in fester Anstellung angesprochen werden.
- Kontinuierlich sichtbar bleiben, statt nur bei akutem Bedarf zu werben.
- Die Strategie laufend an Region, Wettbewerb, Marktgegebenheiten und Unternehmenskultur anpassen.
Entscheidend ist, früh genug zu beginnen und konsequent präsent zu bleiben. Dann sind Sie bereits bekannt, wenn aus einer passiven Fachkraft eine wechselbereite wird.
Häufige Fragen
Wie groß ist der Anteil aktiv suchender Fachkräfte?
Zu einem bestimmten Zeitpunkt suchen nur etwa 1 bis 5 % aktiv nach einer neuen Stelle. Diese Gruppe ist meist innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder vergeben.
Warum reichen klassische Stellenanzeigen oft nicht aus?
Stellenanzeigen erreichen vor allem aktiv Suchende. Die 95 bis 99 % passiven Fachkräfte schauen nicht gezielt nach Jobs und werden so kaum erreicht.
Wann werden passive Fachkräfte wechselbereit?
Wechselbereitschaft baut sich über Monate auf, etwa durch Überlastung, wachsende Unzufriedenheit oder Konflikte. Viele denken in 6 bis 12 Monaten anders über ihren aktuellen Job als heute.
Was ist der wichtigste Hebel für planbares Recruiting?
Frühe und dauerhafte Sichtbarkeit mit einem klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. So bauen Sie Vertrauen auf, bevor Fachkräfte aktiv mit der Suche beginnen.
Lassen Sie sich nicht mehr von den Bewerbern finden, die einen neuen Job suchen.
Finden Sie die Fachkräfte, die sich für Ihre freie Stelle begeistern.


